Gleicht die Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz einer Entführung oder retten wir damit tatsächlich verlorene Seelen?
Fall Mara aus Bosnien
Mara ist eine dreijährige Mudi-Mix Hündin aus dem bosnischen Tierschutz. Sie befand sich zum Zeitpunkt meiner Suche nach einem Hund aus dem Tierschutz in einer Station der "Ankerhunde Bosnien". Sie sah auf dem Foto der Internetseite des Vereins wie ein müder, erschöpfter und trauriger kleiner schwarzer Wolf aus und zog mich sofort in ihren Bann. Zwei Monate später holte ich sie beim Tierschutz Verein "Ankerhunde Hagen" in NRW ab und fuhr mit ihr in ihr neues Zuhause nach Leipzig. Es lagen bereits mindestens 24 Stunden Fahrt in einer engen Box gemeinsam mit ca. 20 anderen auf einander gestapelten Hunden in ihren Boxen hinter ihr. Mara war schüchtern, etwas ängstlich aber keinesfalls abweisend und erholte sich zunächst auf der Rückbank meines Autos von den zurück liegenden Strapazen. Sie wirkte sehr lethargisch und konnte anfangs auch noch nicht laufen, was mich vermuten lässt, dass die Hunde für den Transport sediert wurden.
Nach weiteren vier Stunden Fahrt endlich in Leipzig angekommen, machte Mara erstmals Bekanntschaft mit einem mehrstöckigen Haus an einer Hauptverkehrsstraße, einem Fahrstuhl und einer Dachgeschosswohnung mit Parkett. Es war nicht schwer zu erkennen, dass Mara im wahrsten Sinne des Wortes einen "Kulturschock" erlitt. Völlig verunsichert besichtigte sie nun einige der Zimmer und legte sich dann auf den Teppich, um tief und fest einzuschlafen. Ich bekam eine ungefähre Idee, dass ihr diese moderne Zivilisation fremd und unheimlich war. Mich erfasste schier die Panik bei dem Gedanken, wie ich ihr ein Leben in der Großstadt nun so angenehm wie möglich gestalten und ihr als Hund, der die Natur als Lebensraum gewohnt war, gerecht werden kann.
Ein Jahr und drei Monate später ziehe ich folgendes Fazit:
Ich möchte diese kleine sensible Tierseele im Leben nicht mehr missen oder gar hergeben! Wir beide haben täglich dazu-, uns kennen- und lieben gelernt, missverstanden, eingeschränkt, beobachtet. Was ich jedoch komplett unterschätzt habe, ist das fehlende Wissen um die Bedürfnisse ihrer Rasse (ein Hütehund), ihre vorherigen Lebensumstände, die sprachlichen Verständigungsprobleme und und und...Damit beschäftigt sich der Tierschutz im Vorfeld leider nicht. Klar, deren Aufgabe ist in erster Linie, die Tiere von der Straße zu "retten", kastriert, gechipt, geimpft und gecheckt aus den Sheltern in ein warmes Körbchen zu bringen.
Was das aber für viele dieser Tiere bedeutet, wird immer eine Grauzone bleiben.
Manche Hunde liebten es ganz sicher, autark auf der Straße und im Rudel zu leben.
Die Vermeidung einer unkontrollierten Population der Straßenhunde müsste auf jeden Fall noch anders gelöst werden als sie ins Ausland zu verschleppen.
Mara hat darauf mit monatelangen Darmproblemen, einer bis heute anhaltenden Autofahr -Angststörung, depressiven Episoden und massiven muskulären Verspannungen reagiert.
Unsere Lösung liegt in einem ländlichen Grundstück mit Häuschen, viel Ruhe, Platz und weiteren Tieren in naher Zukunft.Aber nicht für jeden Hund sieht die Zukunft rosig aus...